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Nachrichten rund ums Murrhardter Wetter


  31.01.2018 - veröffentlicht von Freddy Friedhoff    Bookmark and Share

Der Murrhardter Wetterverlauf im Januar 2018
Der Januar 2017 war in Murrhardt mit einer Durchschnittstemperatur von -3,2 Grad Celsius der kälteste Januar seit 30 Jahren. So begann meine Wetternachlese im vergangenen Jahr. Dass auch das krasse Gegenteil der Fall sein kann, zeigt der Januar 2018. Vor allem durch die Temperaturwerte ließen sich Flora und Fauna in diesem Jahr zu der Jahreszeit nicht angemessenen Reaktionen hinreißen. Die Wiesen zeigten Ende des Monats schon einen grünen Schimmer, die Vögel begannen ihr Revier durch Gesänge abzustecken. Beim Übergang in den Februar lag die Kältesumme, ein Maß für die Strenge des Winters, am Messpunkt Murrhardt bei absolut vernachlässigbaren zwei Grad. Der Mittelwert für dieses Datum liegt bei 114 Grad. Die Grünlandtemperatursumme zeigte 77 Grad und 2018 hatten wir bereits 17 Vegetationstage, also Tage an denen die Pflanzenwelt vor allem im Frühjahr zumindest mal auf die Idee kommt, Wachstumsaktivitäten zu zeigen. Und: Der Mittelwert der Temperatur lag mehr als fünf Grad über dem vieljährigen Durchschnitt aus den Jahren 1961 bis 1990. Rekord! Das Temperaturmaximum wurde am 24. mit 14,7° Celsius erreicht, der Tiefstwert lag am 15. Bei -3,7° Celsius. Es gab an nur drei Tagen Frost, im vergangenen Jahr war dies an 29 Tagen der Fall. Mit 135 Litern Niederschlag pro Quadratmeter hatten wir etwa 30 Prozent mehr als durchschnittlich zu verzeichnen. Das Barometer fuhr heftig Berg- und Talbahn mit 990 Hektopascal im tiefsten Tal am 3. und 1036 Hektopascal auf dem höchsten Berg am 28. gegen Monatsende. Insgesamt gesehen war dem Monat nass, sturmdurchzogen und viel zu warm.

Recht turbulent gestaltete sich der Jahresbeginn 2018 aus meteorologischer Sicht. Nachdem sich der Feinstaub der Silvesterböllerei verzogen hatte durchlebten wir zunächst einen ruhigen, wie vom Dezember schon gewohnt grauen Neujahrstag bei recht milden 10° Celsius. Am zweiten Januar begannen die Wetterdienste aktiv vor dem hereinziehenden Orkantief Burklind zu warnen. In der Nacht zum Mittwoch (3.) frischte der Wind bereits merklich auf. Am Mittwochmorgen gegen 8:30 Uhr überzog dann die Kaltfront des Orkantiefs auch unsere Gegend. Neben zwei umgeknickten Hochspannungsmasten bei Kupferzell wurden in der Region Dächer abgedeckt, Bauzäune und Gerüste umgerissen, Dixi-Klos umhergewirbelt und natürlich viele Bäume umgerissen. Während auch deutschlandweit erhebliche Sturmschäden zu verzeichnen waren kam die Gemarkung Murrhardt vergleichsweise glimpflich davon. Grund dafür waren einmal mehr die Löwensteiner Berge, die das Hauptwindfeld aufteilten und nördlich beziehungsweise südlich an uns vorbei leiteten.

Kaum war der Orkan abgezogen stand anderes Ungemach ins Haus. Burklind war ein recht trockenes Orkantief, das Murrhardt verhältnismäßig magere elf Millimeter Regen gebracht hatte. Tags darauf kam dann allerdings ein riesiges Wolkenfeld aus Westen nach. Bis zum Freitag (5.) fielen in Murrhardt in Summe weitere rund 40 Millimeter Regen auf den ohnehin schon gesättigten Boden, was am Donnerstagabend den Murrhardter Hochwasserkrisenstab auf den Plan rief. Alle für den Fall der Fälle notwendigen Vorbereitungen wurden routiniert getroffen. In der Nacht konnte bei einem Pegelstand von knapp über zwei Metern dann wieder Entwarnung gegeben werden. Die Regenintensität hatte nachgelassen, der Murrpegel sank wieder. Vor allem im Schwarzwald sah die Lage dramatischer aus, da dort viel mehr Regen gefallen war. An der Messstation Krunkelbachhütte waren zum Beispiel von Dienstag bis Freitag sagenhafte 226 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Hinzu kam bei milden Temperaturwerten noch die Schneeschmelze.

Nachdem der große Regen durch war beruhigte sich die Wetterlage wenigstens dahingehend, dass es für ein paar Tage von oben trocken blieb. Bei einem meist einheitsgrau bewölkten Himmel und Temperaturwerten um 7° Celsius kam allerdings ein phasenweise beißend kalter Ostwind auf, der den Wohlfühlfaktor im Freien noch einmal zwei Stufen nach unten drückte.

Mitte der zweiten Kalenderwoche wurde es mit Höchsttemperaturen im zweistelligen Bereich wieder etwas wärmer. Zudem konnte sich phasenweise auch die Sonne gegen die hochnebelartige Bewölkung durchsetzen. Diese Witterung war allerdings nicht von Bestand, bereits ab Freitag (12.) war es wieder grau in grau bewölkt und kühler. Als das Thermometer in der Nacht zum 15. erstmalig für den Monat einen Wert unter null Grad anzeigte, lag der bisherige Mittelwert der Temperatur um weit mehr als fünf Grad über dem vieljährigen Mittelwert.

Schon in der Nacht zum Dienstag (16.) wurde das Wetter wieder etwas ruppiger. Rollläden klapperten, einzelne Regenschauer prasselten nieder. Die Wettererscheinungen gehörten zu Sturmtief Evi, das mit einem Kerndruck von 960 Hektopascal über die Nordmeere zog und uns tagsüber böigen Wind und starke Regenschauer brachte. Evi bildete aber erst die Vorhut für Friederike, ein ausgewachsenes Orkantief, dessen Kern am Donnerstag (18.) von Großbritannien her kommend über die Benelux-Staaten und Norddeutschland in Richtung Polen zog. Bilanz des Orkans: Acht Tote in Deutschland, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in den östlichen Bundesländern schwerste Schäden. In unserer Region beschränkten sich die Auswirkungen auf ein paar abgeknickte Äste.

Ohne Unterlass spielte in jener Zeit das Thermometer Jo-Jo. Im Vorfeld der Stürme war es jeweils vergleichsweise warm, auf ihrer Rückseite floss kalte Luft herbei. Kaltluft sorgte dann am Wochenende dafür, dass die von Westen herein ziehenden Niederschläge teilweise bis ins Tal in Schnee übergingen. Bis in der Nacht zum Montag das große Tauen begann, war die Schneehöhe auf den Gipfeln des Schwäbisch-Fränkischen-Waldes auf 20 Zentimeter angewachsen. Die weiße Pracht hatte aber nicht lang Bestand. Nachdem es am Montag (22.) noch geregnet hatte wurde es in den Folgetagen nur Eins, nämlich wärmer. Am Mittwoch (24.) stieg das Thermometer auf 14,7° Celsius. Bis zum letzten Januarwochenende pendelte die durchschnittliche Tagestemperatur bei Werten um sechs Grad Celsius. Viel zu warm für Ende Januar.

Auch an den drei letzten Tagen des Monats änderte sich an dieser Großwetterlage kaum etwas. Am Montagmorgen herrschte eine Frühtemperatur von sieben Grad, dazu grau bedeckter Himmel. Tagsüber lugte die Sonne wie in den Folgetagen jeweils für kurze Zeit durch die dichten Wolken hindurch. Am Monatsletzten setze abends leichter Regen ein. Hinter diesem Regen lauerte kalte Luft aus Norden. Wird sie sich im Februar bei uns festsetzen? 1956 war der Januar auch zu warm und der Februar mit einer Abweichung von minus elf Grad zum Mittelwert absolut saukalt. Wir werden es sehen.



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