?  
 

Nachrichten rund ums Murrhardter Wetter


  01.03.2020 - veröffentlicht von Freddy Friedhoff    Bookmark and Share

Der Murrhardter Wetterverlauf im Februar 2020
Mildester Februar seit Aufzeichnungsbeginn. Von Winter keine Spur.
Am Ende stand es 15:2! Die Tiefs hatten im Februar ganz klar das Sagen, die beiden Zwischenhochs Frank und Günter vermochten gegen die geballte Armada der Tiefdruckgebiete kaum etwas auszurichten. Im Februar bedeutet dies für Mitteleuropa eine Westlage und mildes Wetter mit viel Regen. So lag die Summe der Niederschläge mit knapp 121 Litern pro Quadratmeter um etwa 40 Prozent über dem langjährigen Mittelwert. Gut für die Flora, nach dem trockenen Januar. Zwei Drittel des Monats waren verregnet, die Sonne tat sich sehr schwer. Der Mittelwert der Temperatur lag bei 5,9° Celsius und damit fast fünf Grad über dem Mittelwert aus den Jahren 1961 bis 1990. Der höchste Tageswert wurde am 16. mit 20,5° Celsius erreicht, das Minimum lag am 7. bei -4,2° Celsius. Damit war der Februar 2020 der wärmste Faschingsmonat seit Murrhardter Aufzeichnungsbeginn 1951. Nur der Februar 1966 war ähnlich mild. Bei so vielen Tiefs dürfen natürlich auch Winterstürme nicht fehlen. Vor allem Sabine aber auch Bianca rüttelten uns ordentlich durch. Entsprechend des Wetterverlaufs sieht auch die Luftdrucklinie des Monats aus: Eine wilde Zickzacklinie mit sehr steilen Flanken. Das Minimum des Luftdrucks betrug gegen Monatsende 985 Hektopascal, das Maximum lag zur Mitte der ersten Dekade bei starken 1034 hPa.

Die warme Luft, die von Tiefdruckgebiet Lolita und ihren Nachfolgerinnen Ende Januar in unsere Region geschaufelt worden war, hatte auch Anfang Februar Bestand. Hinzu kamen Wind und Regen in unterschiedlichen Intensitäten und Mengen. Als der Niederschlag am Montagvormittag (3.) nachließ lag der Murrpegel in Oppenweiler knapp unter der Hochwassermeldemarke von zwei Metern. Am Feuerwehrhaus Murrhardt wurde der vorläufige Höchststand mit knapp über 1,50 m erreicht. In der Nacht zum Dienstag raste Tief Petra über uns hinweg und brachte gegen 3:00 Uhr eine markante Wetterlinie mit Starkregen und Sturmböen mit. Der Luftdruck erreichte seinen Tiefpunkt, auf ihrer Rückseite baute sich Hoch Frank mit kühlerer Islandluft auf. Hatte die Tageshöchsttemperatur zu Monatsbeginn noch bei knapp 15° Celsius gelegen, waren es am Mittwoch nur noch 5° Celsius.

Es folgte eine Suite von Frostwechseltagen, an denen sich die Hochwassersituation vollkommen entspannen konnte. In den Frühstunden zeigte das Thermometer stets leichten Frost bis -4° Celsius, tagsüber stieg es bei einem Wechsel aus Sonnenschein und Wolken bis in zweistellige Plusbereiche. Der Sonntag (9.) stand im Zeichen des Wartens auf den ersten wirklichen Wintersturm der Saison, Orkantief Sabine. Nach einem noch wolkenlosen Start in den Tag, wurde es im Tagesverlauf bis 15 Grad warm, es zogen von Westen her vermehrt Wolken auf und der Wind wurde spürbarer. Die ganze Nacht über wehte dieser zum Teil sehr ruppig, das Barometer sackte von 1018 Hektopascal am Sonntagvormittag auf recht tiefe 992 hPa am Montagmorgen ab. Der Tiefstpunkt des Luftdrucks wurde um 6:00 Uhr erreicht, was den Durchzug der Kaltfront des Orkantiefs markierte. Die Temperatur hatte die ganze Nacht über um 14° Celsius gelegen und ging nun bei Schauerwetter rapide zurück, nordische Kaltluft floss ein. Während der Wind in der Region Murrhardt nicht so stark war, wie er hätte sein können, verzeichneten Wetterstationen in der Umgegend Orkanböen mit mehr als 118 Kilometern pro Stunde (Stötten 128, Weinbiet 150, Öhringen 119). In Kaisersbach-Cronhütte lag die stärkste Böe bei 83 km/h, der Feldberg brachte es auf 178 km/h.

Obwohl dieser Sturm unserer Gegend vergleichsweise gnädig gesonnen war, mussten Feuerwehren und Straßendienste zu vielen Einsätzen wegen umgestürzter Bäumen, verwehten Dixi-Kabinen, umgeblasenen Baustellenabsperrungen und niedergerissener Dach- und Gebäudeteile ausrücken. Der Bahnverkehr auf der Murrstrecke war bereits in der Nacht eingestellt worden und kam erst im Lauf des Montagnachmittags nur schleppend wieder in Gang.

Anders als bei früheren Winterstürmen ließ der Wind nach Durchgang der Kaltfront nur ein wenig nach, sodass weiterhin die Gefahr von Astbruch und sonstigen Sturmschäden bestehen blieb. Hinzu kamen teils heftige Graupelschauer. Dieser Winterspuk hatte schließlich am Mittwoch (12.) ein Ende gefunden, es gab nur noch vereinzelt ein paar Spritzer Regen, die Witterung stabilisierte sich wieder in Richtung Vorfrühling. Winter wollte einfach keiner mehr einkehren.

Gemäß dem Motto >Nach dem Sturm ist vor dem Sturm< warnten die Wetterdienste am Valentinstag vor Viktoria, einem neuen Orkantief, das südlich von Island im Entstehen war. Im Gegensatz zu Sabine lag Viktorias Hauptsturmgebiet weiter nördlich; vor allem auf den Britischen Inseln herrschten durch Wind und Regen chaotische Zustände. Für Süddeutschland bedeutete das Orkantief, dass viel warme Luft weit aus dem Süden angesaugt wurde, das Thermometer konnte am Sonntag (16.) die 20er-Marke nach oben überspringen.

Die Nacht zum Montag war zunächst einmal eins, nämlich ungewöhnlich mild. Am Morgen lag die Temperatur bei 14° Celsius, sackte dann aber durch die Zufuhr frischerer Nordluft aus der Rückseite des Tiefs tagsüber langsam ab. Im Wochenverlauf wurde dann klar, dass Sabine und Viktoria den Weg für weitere kleine Tiefs freigeblasen hatte. Wie an der berühmten Perlenkette aufgereiht, zog ein Tief nach dem anderen von West nach Ost über uns hinweg. So blieb es bei einem teilweise sehr ruppigen Wind, der immer wieder Regen- aber auch Graupelschauer über das Land jagte. Die Temperaturwerte lagen der Witterung entsprechend zwischen vier und zehn Grad Celsius.

Am Donnerstag traute sich mit Günter nach 18 Tagen noch einmal ein kleines Hochdruckgebiet zu erscheinen. Es sorgte, bis nach dem diesjährigen Nachtumzug der Narrenzunft Murreder Henderwäldler am Samstagabend, für tagsüber sonniges und vor allem trockenes Wetter. Kaum war der Umzug vorbei nahm mit Zehra ein frisches Tief Anlauf auf Mitteleuropa. Es bescherte uns bis in den Montagvormittag hinein immer wieder Regenschauer und vor allem am Sonntag (23.) mitunter brachialen Wind. Am Rosenmontag beruhigte sich die Wetterlage wieder, am Nachmittag kam bei leichtem Sonnenschein und 10° Celsius sogar ab und zu die Sonne durch. Dies war allerdings nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm, denn mit Annelie etablierte sich am Faschingsdienstag das nächste Tiefdruckgebiet über den Britischen Inseln. Es war Tief Nummer 27 in diesem Jahr, Hochs hatte es im gleichen Zeitraum bis dahin erst sieben gegeben.

Das nächste Wetterhighlight des Monats war Bianca, deren Kern am Donnerstagabend (27.) nur wenige Kilometer nördlich von Murrhardt von West nach Ost querte. Nach einem leichten Gesäusel tagsüber war, wie in Sturmkernen so üblich, bis 19:00 Uhr in Murrhardt absolute Windstille. Dann kam auf der Rückseite für ein paar Stunden ordentlicher Wind auf und mit dem Wind fiel auch Schnee. In den Tallagen war dieser Schnee zwar bis Freitagnachmittag wieder verschwunden, auf den Höhen dauerte es bei wieder gut über 10° Celsius bis Samstag, bis er weggetaut war. Als krönender Abschluss des Monats zog am Samstagabend schließlich noch eine rasche Gewitterlinie über Murrhardt.

Werfen wir noch einen Blick auf die Wetterzahlen des hinter uns liegenden Winters: Mit einer Durchschnittstemperatur von 4° Celsius lag der Murrhardter Winter 19/20 äußerst deutlich um 3,8 Grad über dem Mittelwert aus den Jahren 1961 bis 1990. Es fielen insgesamt 228 Millimeter Niederschlag. Damit hatten wir 76 Prozent oder 68 Millimeter weniger Niederschlag als üblich zu verzeichnen. 50 trockene Tage im Winter 2019/20 stehen durchschnittlich 39 trockene Tage gegenüber. An einem Tag fielen mehr als 20 Millimeter Niederschlag (üblich zweieinhalb).


 www.murrhardtwetter.de  Ein Dienst (2199/43998/13199) von Freddy Friedhoff für Murrhardt und den Rest der Welt • E-Mail: wetter(at)moxl(dot)com 
[Seite zurück] [Zum Seitenanfang]