?  
 

Nachrichten rund ums Murrhardter Wetter


  01.07.2020 - veröffentlicht von Freddy Friedhoff    Bookmark and Share

Der Murrhardter Wetterverlauf im Juni 2020
Einfach mal nur normal sommerlich
Einhundertneununddreißig Liter Regen pro Quadratmeter: Das ist die Niederschlagssumme des Juni 2020 und dies tat der so arg durch Wassermangel gebeutelten Natur sehr gut. Neben zwei Großniederschlagsereignissen zum Start der Siebenschläferzeit hatten wir noch 14 weitere Tage mit mehr oder weniger Regen. Der Mittelwert der Lufttemperatur lag bei 16,4 Grad Celsius und damit etwa ein Grad über dem Mittelwert aus den Jahren 1961 bis 1990. Das Maximum der Temperatur wurde am 26. mit jeweils 29,1° Celsius erreicht. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren hatten wir im Juni 2020 keinen einzigen heißen Tag mit einer Temperatur von über 30° Celsius aber immerhin noch elf Sommertage mit 25° Celsius oder mehr. Der Luftdruck bewegte sich auf einer Berg- und Talfahrt bei einem Mittelwert von 1010,7 Hektopascal in einer Bandbreite zwischen 992,5 und 1022,8 HPa.

Der Start in den Sommer war in 2020 wahrlich sommerlich. Viel Sonnenschein und Spitzen-Temperaturwerte über 25° Celsius luden drei Tage lang zu Aktivitäten im Freien ein. Am Mittwoch (3.) brauten sich ab dem Mittag deutschlandweit Gewitter zusammen. Auch die Region Murrhardt blieb nicht verschont, wobei es hier eher bei Gewitterchen blieb.

Hinter dem Wetterumschwung steckte die Schafskälte, die heuer genauso pünktlich wie schon zuvor die Eisheiligen aufgetaucht ist. Zwar hatte die Schafskälte keinen Frost mehr im Schlepptau, mit maximal 13 bis 18 Grad blieb es aber merklich kühler als in den Wochen zuvor gewesen war. Dazu kam bis zum Sonntag Tag für Tag ein wenig mehr Regen in den Messbecher. Der schon wieder ausgedörrte Boden konnte jeden Guss gut vertragen. In Summe waren es bis Montagmorgen 33 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

Durch die neue Woche ab dem 8. Juni ging es mit dem Wettergeschehen gerade so weiter. Sonne und Wolken wechselten sich ab, vor Schauern waren wie nie ganz sicher und das Thermometer vermochte bis Donnerstag nur auf maximal 17° Celsius zu steigen. Da war es nicht weiter tragisch, dass das Murrhardter Freibad aufgrund der Covid-19-Umstände immer noch geschlossen hatte. Freitag (12.) und Samstag waren dann zwischendrin noch einmal echte Sommertage mit viel Sonnenschein und einem Spitzenwert der Temperatur von 26,5° Celsius. Ab Sonntag lag die Region Murrhardt inmitten einer Tiefdruckrinne, die sich von den britischen Inseln quer über Deutschland bis in den Mittelmeerraum zog. Über uns kämpften damit aus Südosten herbei geschaufelte warm feuchte Luftmassen gegen eher kalte Luft aus dem Norden was zu ordentlich Regen führte. Murrhardt indessen blieb im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands von Überflutungen verschont, zur Monatsmitte hatte der Regenmesser aber auch schon etwas mehr als die sonst in einem Juni übliche Wassermenge gesammelt. Der Mittelwert der Temperatur lag gar unter dem vieljährigen Mittelwert.

Mit dem Lostag St. Veit (15. Ist zu St. Vitus der Himmel klar, gibt es ein fruchtbares Jahr) ging es mit weiterhin vielen Wolken in die zweite Monatshälfte. Murrhardt lag immer noch in der Tiefdruckrinne und es war auch nicht absehbar, dass sich eine der beiden oben genannten Luftmassen durchsetzen könnte. Ab Mitte der Woche zeichnete sich dann aber eine leichte Tendenz in Richtung strahlenderem Wetter ab. Schließlich stand der kalendarische Sommeranfang vor der Haustür. So wurde das Wetter von Tag zu Tag ein wenig freundlicher, am Wochenende zogen nur ab und zu ein paar Schäfchenwolken durch und das Thermometer stieg wieder auf Werte um 25° Celsius.

Mit Hoch Utz etablierte sich ab Montag (22.) ein feines Hochdruckgebiet über Europa. Im Zusammenspiel mit dem Islandtief Quiola konnte Utz eine Menge warme Luft aus südlichen Gefilden zu uns pumpen. Dies gepaart mit der momentan maximal möglichen Dauer der ungestörten Sonneneinstrahlung führte einen Hauch von Hochsommer herbei. Ein guter Zeitpunkt, um am 23. das Murrhardter Freibad unter Covid-19-Bedingungen zu öffnen. Durch die Woche ging es mit sehr viel Sonnenschein, nur ab und zu zogen ein paar Wolkenpakete durch.

Die Sonnenwoche gipfelte am Freitag (26.) mit 29° Celsius und einem recht heftigen Gewitter am Abend. Am Samstagnachmittag wiederholte sich das Spiel von Freitagabend. Wieder knallte und rumpelte es, der Wind war sogar noch etwas stärker als tags zuvor, was vor allem am Baugerüst der Stadtkirche zu Schäden führte. Ansonsten bot sich das bei solchen Ereignissen gewohnte Bild: In den Unterführungen Weststadt und Siegelsberger Straße stellte sich das Wasser, Bäume krachten auf Straßen, auch gab es in den bekannt gefährdeten Wohngebieten einmal mehr überflutete Keller, die Feuerwehr rückte zu einigen Einsätzen aus.

Gewitter sind um diese Jahreszeit eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings sind wir es durch die vielen Heißtrockensommer der vergangenen Jahre nicht mehr gewohnt, dass es sie in dieser Heftigkeit gibt. Denken wir aber nur an frühere Backnanger Straßenfeste zurück, an denen es meistens an mindestens einem der Festtage Blitz und Donner gab.

Nach den beiden Gewittertagen wurden bei uns wieder von West nach Ost über Skandinavien hinwegziehende Tiefs wetterbestimmend. Mit einem Wechsel von Sonne, Wolken und ein paar wenigen Tropfen Regen verabschiedete sich der erste Sommermonat dieses Jahres. Das Thermometer vermochte ab Sonntag (28.) nur noch ein wenig über die 20er-Marke zu klettern. Dazu gab es am Ultimo auch noch ein wenig ruppigen Wind.

Werfen wir noch einen Blick auf die Wetterbilanz des ersten Halbjahres 2020. Mit einer Durchschnittstemperatur von 9,5° Celsius lag das erste Halbjahr 2020 deutlich um drei Grad über dem Mittelwert aus den Jahren 1961 bis 1990 (6,46° C). Es fielen insgesamt 382 Millimeter Niederschlag. Damit hatten wir nur 64 Prozent des Schnitts oder 210 Millimeter weniger Niederschlag als üblich zu verzeichnen. 117 trockene Tage im ersten Halbjahr 2020 stehen durchschnittlich 85 trockene Tage gegenüber. An 2 Tagen fielen mehr als 20 mm Niederschlag (üblich fünf).

Und ganz zum Schluss wage ich noch eine Prognose für die Zeit bis in den Herbst: Wir bekommen einen Sommer, wie er früher einmal war. Warme bis heiße Phasen werden immer wieder von Gewittern und Abkühlung unterbrochen. Eine extreme Heißtrockenperiode, wie sie in den vergangenen Jahren häufig auftrat, ist bislang nicht in Sicht.





 www.murrhardtwetter.de  Ein Dienst (2118/42363/12709) von Freddy Friedhoff für Murrhardt und den Rest der Welt • E-Mail: wetter(at)moxl(dot)com 
[Seite zurück] [Zum Seitenanfang]